Andreas Pichler (Regie)


Ein persönliches Statement

Als die Idee im Raum stand, über Alkohol einen Film zu drehen, war für mich klar, dass dies ein besonders komplexes und ambivalentes Projekt werden wird, da wir es mit der zentralen Droge unserer Gesellschaft zu tun haben. 

 

Um eines vorwegzunehmen, ich bin nicht gegen Drogen und trinke selber gerne. 

Aber ich habe bei einigen Selbstversuchen gemerkt, wie schwer es ist, im Gegensatz zu anderen Substanzen, auf Alkohol gänzlich zu verzichten, wenn auch nur temporär. 

 

Genau deswegen bin ich aber der Überzeugung, wir sollten uns der Konsequenzen des Alkoholkonsums in aller Bandbreite bewusst sein und uns selber nichts mehr vormachen. Es geht darum, genau zu wissen, um was es sich bei der Substanz Alkohol handelt.

 

Während bei allen illegalen Substanzen der gefährliche und schädliche Aspekt einer Droge immer ganz klar mitschwingt, scheint Alkohol harmlos zu sein. Wir sind Meister darin, die Folgeschäden auszublenden und uns beim Alkohol etwas vorzumachen, so wie ein blinder Fleck als einzelne Personen wie Gesellschaft.  

 

Bei dem Film ging es mir darum, herauszufinden, warum das so ist und welche Rolle die Industrie mit ihren potenten Marketingstrategien dabei spielt. Werden wir da bewusst hinters Licht geführt? Und was für eine Rolle spielt eigentlich die Politik, die die Rahmenbedingungen für den Alkoholverkauf und Alkholkonsum schafft? Das sollte uns als Bürger und als Eltern etwas angehen.

 

Ich wollte neben diesen Aspekten aber auch positive Beispiele kennenlernen, wie unser Urbedürfnis nach Entspannung und Intensivierung des Lebens getriggert werden kann ohne auf Alkohol oder andere Drogen zurückgreifen zu müssen. Daher bin ich nach Island und nach Colorado gereist.

 

Die Arbeit an dem Film war für mich und für alle, die am Projekt beteiligt waren, eine extrem lehrreiche Zeit. Sie hat meine und die Trinkgewohnheiten des gesamten Teams nachhaltig verändert. Ich hoffe, dass es den Zuschauern des Films ähnlich ergehen wird.

Andreas Pichler, Filmemacher, November 2019


Steckbrief

 

Geboren in der zweisprachigen Stadt Bozen (Italien). 

Hat in Bologna und in Berlin an der Universität Philosophie und Theaterwissenschaften studiert und mit dem Magister abgeschlossen. 

Arbeitet als Regisseur und Autor von Dokumentarfilmen in Italien, Österreich und Deutschland. Die meisten seiner Filme sind europäische Koproduktionen und liefen preisgekrönt auf zahlreichen internationalen Festivals. 

Vor kurzem lief sein Film DAS SYSTEM MILCH erfolgreich in den deutschen und österreichischen Kinos.

Seit einigen Jahren auch als Produzent für die Firmen Miramonte Film und Echo Film in Bozen tätig. 

Master-Klassen und Lehrtätigkeit an der HFF Potsdam, IUAV Universität Venedig und der Filmschule Zelig in Bozen. 

Er ist 2005 mit dem Grimme Preis ausgezeichnet worden, 2015 mit dem Deutsch-Französischen Journalistenpreis, 2018 mit dem Deutschen Wirtschaftsfilmpreis (für DAS SYSTEM MILCH) und zweifach mit dem Quandt Medien Preis.


Filmografie (Auswahl)

2020 ALKOHOL - DER GLOBALE RAUSCH (Dokumentation)

2018 Der sechste Kontinent (Dokumentation)

2017 Das System Milch (Dokumentation)

2013 Ausgepresst Wie Zitronen (Dokumentation)

2012 Die Lithium Revolution (Dokumenation)

2012 Das Venedig Prinzip (Dokumentation)

2009 Die Freiwilligen - Ein Jahr für die Welt (TV Serie / Dokumentation)

2008 Der Pfad des Kriegers (Dokumentation)

2005 Yin und Yang im Allgäu (TV Serie / Dokumentation) (5 Episoden)